Wenn der Mond die Sonne weckt
Wenn der Mond die Sonne weckt

Wenn der Mond die Sonne weckt

Eine Geschichte, die bisher verborgen und tief in den Schatten jener legendären Schublade versteckt war, die wohl jeder Autor sein Eigen nennt…

In einem fernen Reich, wo himmlische Körper in außergewöhnlicher Harmonie lebten, war es die vortrefflichste aller Veranstaltungen, wenn der Mond die Sonne erweckte. Sie regierten das Himmelsgewölbe in einer perfekten Balance des Tages und der Nacht.
Die Sonne, eine strahlende Königin von unermesslicher Wärme und Licht, versenkte sich am Ende eines jeden Tages in einen tiefen Schlummer. Ihre goldene Krone legte sie neben ihr Bett aus Wolken, und ihr letzter Atemzug war ein sanfter Hauch von purpurnem Abendrot.
In diesen Stunden der Dämmerung begann der Mond, ein schlanker Prinz in silbernem Gewand, seine Reise. Er bewegte sich still über die samtene Decke der Nacht, um die Aufgabe zu erfüllen, die nur er alleine kannte.
In jener besonderen Nacht glitt der Prinz über das Firmament, ein ewiges Lächeln auf seinen nächtlichen Zügen. Er beschritt den unsichtbaren Pfad, streute Sternenstaub hinter sich, der von musikalischen Winde zu flüsternden Melodien getragen wurde. Sein Weg führte ihn zum Horizont, wo das Meer des Nachthimmels den ruhenden Hügel der Morgenröte küsste.
Mit der zartesten Berührung, wie ein Geliebter, der die Liebste weckt, neigte sich der Mond über die schlummernde Sonne. «Es ist Zeit,» flüsterte er, seine kühle Stimme schmiegte sich an ihr warmes Herz. «Die Welt sehnt sich nach deiner Wärme, dein Licht soll sie umarmen.»
Unter der liebevollen Fürsorge des Mondes löste sich die Sonne von ihrem Schlaf. Ein Hauch von Rosé tänzelte über den Himmel, als sie ihre Augen öffnete. Es war ein stilles Zusammenspiel, ein Geflüster zwischen Tag und Nacht, das nur das Universum vernehmen konnte.
Die Sonne hob ihre Krone aus den flauschigen Wolken und setzte sie sich auf ihr flammendes Haupt. Mit einem sanften Nicken in Richtung des Mondes begann sie ihren Aufstieg. Der Prinz zog sich zurück, sein Werk vollbracht, die Dunkelheit langsam hinter sich lassend.
Die Welt unter ihnen wurde von sanftem Morgenlicht erfüllt. Pflanzen, Tiere und Menschen erwachten, ohne jemals zu wissen, was für ein wundersames Spektakel über ihre Köpfe hinwegzog. In der Stille ihrer Herzen bedankten sie sich bei Sonne und Mond für das Geschenk eines neuen Tages.
Das Reich des Himmels summte leise vor sich hin, als die ersten Strahlen des Tageslichts die Weltenoberfläche streichelten. Und so war es bei jeder Dämmerung, wenn der Mond die Sonne weckte, ein ewiger Tanz, unbemerkt und doch so entscheidend für das Leben.

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